Für uns ging es ab Düsseldorf mit der KLM  los. Wir hatten natürlich recht unübliches Gepäck. Handgepäck war ein Motorradtankrucksack mit Kameraausrüstung, ein Rucksack und zwei Gürteltaschen mit Wertsachen. Das eigentliche Gepäck waren dann 2 mittelgroße Ortliebsäcke. Helme und Ledersachen waren bereits in den Motorradkoffern untergebracht.

Dann nach Amsterdam zum Umsteigen, wo eine Sicherheitsbedienstete sich einfach nicht helfen lassen wollte, einen Motorradtankrucksack zu inspizieren. So viele Reißverschlüsse sind wohl echt bombenverdächtig.

Nach ca. 10,5 Std. Flug haben wir die Schnauze voll vom Fliegen und landen in L.A.

Jetzt noch schnell das Motorrad auslösen. Leider war die Wegbeschreibung zur KLM Cargo falsch. Ich beging den Fehler, zu Fuß dorthin zu gehen . 1. War es zu warm und 2. zu weit. Als ich dann dort ankam, hatte ich sinnigerweise den Motorradschlüssel bei Birgit am Flughafen zurückgelassen. Für den Rückweg entdeckte ich aber einen free shuttle-bus (Parkinglot B). Damit lief der Transfer dann super und kostenlos. Das Motorrad auslösen kostete nochmal 10 $ und man mußte noch einen Zollstempel im selben Haus besorgen. Alles jedenfalls kein Problem, schnell noch das nächstbeste Motel angesteuert und nur noch gepennt.

Los geht's schon ganz früh, in Richtung Las Vegas. Leider braucht man schon 100 km, um überhaupt L.A. und seine Vorstädte hinter sich zu lassen. Wenn man dann raus, ist wird die Luft zwar besser, aber die Wüstenluft ist doch auch recht warm. Jedenfalls haben wir unseren Vorsatz, nur mit Schutzjacke zu fahren, sofort zum Teufel gejagt. Die Landschaft entlang der Interstate ist nicht besonders anspruchsvoll. Alles totale Wüste. Uns muntern die Trucker immer wieder auf, die für uns Motorradeuropäer schon mal kräftig ins Horn blasen oder uns einfach anerkennend zuwinken. Das Highwayfeeling kommt immer dann zur Geltung, wenn wir parallel zu einem dieser gigantischen Trucks fahren und uns in den riesigen Chromfelgen und Aufbauten spiegeln.

Der erste Outletstore erwischt uns sofort am Wegesrand und schon ist unser Gepäck bereits am ersten Tag wieder um ein paar Kleidungsstücke gewachsen.

Nach gut 420 km erreichen wir Las Vegas in Nevada. Wichtig ist hier, daß man nicht am Wochenende hier aufläuft. Dann nämlich verdoppeln sich auf einmal die Zimmerpreise, falls man überhaupt noch eins bekommt. Wir haben Glück, es ist Dienstag und nisten uns im Stardust ein.

Nach einer gewissen Zeit der Aklimatisierung wagen wir uns mal ohne Moped aufs heiße Pflaster Las Vegas. Für eine Stadt in der Wüste verschwenden die hier eine gewaltige Menge Wasser für Außenbecken und Showteiche. Alles in allem ziemlich bunt und verrückt. Das ganze Kaff sieht eigentlich aus wie eine große Baustelle, ständig baut jemand noch ein größeres Casino. Überall versucht man die Leute mit Midnight Specials Dinners und so`n Quatsch in die Spielhöllen zu locken. Irgendwie kommen wir aber nicht zum Zuge, essen etwas bei Denny´s und fallen noch vor Mitternacht halb tot ins Bett.

Am nächsten Morgen stehen wir schon wieder zu unchristlichen Zeiten auf. Unser Zeitgefühl ist irgendwie noch deutschlandorientiert. Nach einer Motorradsightseeingtour durch Las Vegas stellen wir fest: Dieser Ort ist nur was für Nachtaktivitäten. Jedenfalls von der Optik her. Es gibt die Shows aber auch schon tagsüber.

Wir machen uns auf, durch nun etwas interessanter werdende Wüstenregionen zum Hoover Dam. Dies ist ein riesig hoher Staudamm, der den Colorado staut und ein Kraftwerk enthält. Von hier aus fließt ein Haufen Strom nach Las Vegas und L.A. Es gibt die Möglichkeit, die Staumauer mit ihren Turbinen von innen und von unten zu sehen. Sollte man die Zeit dazu haben, ist dies auch ganz interessant. Von unten wirkt die Staumauer noch gewaltiger. Nach der Staudammüberquerung sind wir plötzlich in Arizona und haben die erste Zeitzone überschritten. 

Danach führt ein Wüstenhighway durch die unendlich erscheinenden Wüstengegenden. Mit Licht soll man hier fahren, und don't drink and drive und fahr nicht so schnell, sind hier die Messages am Straßenrand. Die Unendlichkeit dauert so bis Seligman an, hier beginnt ein langes Teilstück der Route 66, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollen. Bild dazu

Zunächst ist die Route 66 auch nichts anderes als ein anderer Highway auch, 2 Spuren immer geradeaus. Neben uns fährt längs der gesamten Strecke der Santa Fee Express. Es ist schon recht imposant, diese superlangen Züge zu beobachten. 150 Waggons und 4 Zugmaschinen sind keine Seltenheit. Wenn das Ende an einem vorbei gezogen ist, sieht man in der unendlichen Weite den Anfang schon nicht mehr. Die Route 66 verläuft durch Indianerreservate, die durch Zäune und Schilder vom Highway abgetrennt sind. Irgendwann endet die ausgebaute Straße in einem Ort, mit einem historischen Kern (soweit man die Route 66 Holzbuden Kern nennen kann). Bevor man nun die Bahnlinie unterquert, muß man irgendwo abbiegen, wo man glaubt, hier geht nur noch ein Feldweg weiter. Jetzt ist man auf einem ganz alten Teilstück der Routen. Der Straßenbelag ist zum Teil rot und total rissig, es erobert die Natur auch schon den Asphalt zurück. Überall wachsen Blumen aus dem Asphalt. Hier finden wir es so richtig toll. Wir können mitten auf der Fahrbahn halten und Fotos schießen, hier stört uns keiner. Die Route ist hier absolut autofrei und sieht genauso aus, wie ich sie mir immer vorgestellt habe.

Gegen Abend wird es empfindlich kühl, und wir kehren in ein Motel in Williams ein. Dieses Örtchen ist das letzte mit günstigen Motels vor dem Grand Canyon. Allerdings besteht es auch nur aus Motels. Ach ja eine historische Dampfbahnlinie gibt's auch noch.

Am nächsten Morgen wurde erst mal das Moped untersucht. Tatsächlich erste Verluste: Der Scheinwerfer hatte Bekanntschaft mit Steinschlag oder anderen unbekannten Flugobjekten gemacht,  jedenfalls zierte ein schöner Sprung das Zyklopenauge. Na ja, und dann war da noch die olle Pepsidose, die im Topcase ausgelaufen war und sich über den Straßenatlas ergossen hatte. Nach einem guten Frühstück in einem einheimischen Lokal (Da wo die Holzfäller und Ranger auch frühstücken) flog dann noch der Benzinrücklaufschlauch vom Tank ab und so waren wir sicher: Es konnte heute nichts schlimmes mehr passieren. So war es denn auch.

Von Williams zum Grand Canyon fährt man so ungefähr 1- 1,5 Stunden, gemütlich versteht sich. Wenn man dann am Rande der Schlucht ankommt, verschlägt's einem erst mal die Sprache. Wie müssen sich die ersten Planwagenfahrer gefühlt haben, die vor dieser riesigen Erdspalte standen und nicht weiter kamen? Dann ging es los, erst mal Erkundigungen zum Übernachten im Canyon einholen. Logisch: Auf der zur Übernachtung vorgesehenen Phantom Ranch unten am Colorado ist ca. 5 Monate alles ausgebucht, an eine Permit ist also nicht zu denken. Obwohl überall davor gewarnt wird, nehmen wir uns vor, am nächsten Tag in den Canyon hinab und wieder aufzusteigen. Dann nehmen wir uns wie die anderen Touris die Aussichtsplattformen und Parkplätze vor. Jeder Blick ist breathtakend. Zu Abend suchen wir uns im Kaibab National Forest ein geeignetes Zeltplätzchen. Wenn man nicht mehr als 0,5 Meilen von der Straße weg campiert, ist dies hier erlaubt (und vor allem kostenlos). Nachts frieren wir uns den A.... ab und sind deshalb morgens einigermaßen gerädert.

Wandern war angesagt. Das Gepäck kann man am Visitorcenter abgeben, das kostet so um die 3 $. Von dort aus geht ein Bus, der einen zum Abstiegspunkt bringt. Hoch kommt man (wenn man es überlebt) dann direkt am Visitorcenter. Wichtig ist, man darf sich nicht überschätzen, man darf so eine Wanderung nicht im Hochsommer versuchen und man muß genügend Trinkwasser mit sich führen. Wasser hatten wir ca. 7 Liter und es war Oktober. Die Wanderung war dann auch einmalig. Der Canyon gibt seine ganze Größe und Schönheit erst wieder, wenn man ihn erwandert. Nach jeder Kurve eine andere schöne Perspektive und ein neuer boah ei Effekt. Nach 3 Stunden Abstieg erreichten wir den Colorado River. Von den oben am Southrim gefühlten 10 Grad sind hier unten knapp 30 Grad geworden. Ein Fußbad im Fluß schafft Abkühlung. Bei der Wanderung überqueren wir den Fluß 2 mal über 2 Hängebrücken.

Der Aufstieg war auch sehr schön, man durchwandert jahrmillionen von Erdgeschichte und jede Menge Gesteinsschichten. Blöd nur, daß man ab einem bestimmen Punkt immer hofft , daß die Gesteinsschicht, die nun vor einem liegt, doch nun der obere Canyonrand sein möge. Was soll ich sagen, die letzten 1,5 Meilen bin ich dann doch mehr auf dem Zahnfleisch hochgekrochen. Nach weiteren 5 Stunden waren wir dann oben und hatten unheimlichen Respekt vor der Felsspalte. Leider mußten wie noch über 100 km fahren, um ein Motel zu finden, welches noch ein Plätzchen frei hat. 100 km sind eben in den USA keine Entfernung. Wir hatten uns angewöhnt, immer für ca 200-250 km Sprit im Tank zu haben. Nichts ist ätzender, als ohne Sprit mitten in der einsamen Wüste von Geiern, Rattlesnakes und Skorpionen umkreist zu werden.  Grand Canyon N.P.  (Zum Grand Canyon N.P.)

 Bild dazu
Gut ausgeschlafen und mit waaaaahnsinnigem Muskelkater machten wir uns auf zum Marlboro Country im roten Utah. Je naher man Richtung Monument Valley kommt, desto roter wird alles. Ursprünglich hatte ich immer geglaubt, die Werbefilmer von Marlboro hätten ´ne Menge rot hinzugemischt, aber da sieht es wirklich so aus. Ich hatte irgendwie das Gefühl, als höre ich im Hintergrund immer " Spiel mir das Lied vom Tod"( oder so). Ja, hier ist der wilde Westen! In Mexican Hat, einem kleinen Ort in der Nähe von Monument Valley, fanden wir ein Motel. Es blieben uns noch die Abendstunden, um das Valley of the gods zu erkunden. Dies war unser Glück. Der Sonnenuntergang innerhalb des superroten Valleys ist unvergleichbar schön, im Hintergrund sieht man das Monument Valley. Die Straße durch das Valley of the gods ist unbefestigt und stellt ein Eldorado für den Offroadfreak dar. Mit unserer BMW K 1100 RT war das allerdings etwas holprig. Direkt am Valley of the gods liegt der Goosenecks State Park. Hier schlängelt sich der San Juan River in einer tiefen Schlucht in ganz enormen Kurven durch die Wüste. Dieser Anblick ist im silbrigen Mondschein einfach so umwerfend, das wir uns vornehmen bei Tageslicht noch mal vorbei zu schauen.
Bilder Monument ValleyBild Gooseneck StateparkBilder Valley of the gods
Zunächst führt uns der Weg zum Four Corner Monument. Dies ist der einzige Punkt in den USA, an dem 4 Staaten an einem Punkt zusammentreffen. Im Prinzip gibt es hier nichts besonderes, außer das wir zur Vervollständigung unserer Fotoreihe, das entsprechende Straßenschild der jeweiligen Staaten ablichten können. Toll, nun waren wir also innerhalb von ca. 15 Min. in den 4 Staaten Utah, Colorado, New Mexiko und Arizona.

Unser eigentliches Ziel ist der Mesa Verde National Park. Der Park liegt wieder mal auf einem Hochplateau. Der Weg dorthin ist wunderschön und kurvenreich. So eine richtige Motorradstrecke, die anscheinend auch von einigen amerikanischen Motorradfahrern gerne genutzt wird. Wohnwagenanhänger sind hier übrigens nicht zugelassen, so daß man keine Angst haben muß, mit einer solchen Pommesbude zu kollidieren. Der Park an sich ist auch sehenswert, wenn man denn mal nach dem Kurvenrausch das Bike abgestellt hat. Was gibt's hier zu sehen? Mesa Verde sind uralte mehrstöckige Wohnbauten, die Nischen im Fels ausfüllen. Das ganze auch noch in ca. 600m Höhe über dem Montezuma Valley. Es lohnt sich allemal, sich hier genauer umzusehen. Am besten erst mal in das Visitorcenter und eine Besichtigung für das Cliff Palace buchen, dies ist die größte Indianersiedlung im Park. Nach unserem ausgiebigen Besuch dürfen wir die wunderschöne Motorradstrecke zurückfahren. Das Laub leuchtet in der Abenddämmerung wunderschön herbstlich goldgelb. Und dann ein Motel in Cortez gesucht. Unser Motorradcheck verlief an diesem Abend negativ: Die zentrale Lenkkopfmutter hatten wir irgendwo in der unendlichen Weite des mittleren Westens verloren. Schade eigentlich.  Mesa Verde N.P. ( Mesa Verde N.P.)

 
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